Heute, da der größte Teil der ehemaligen Weinberge unter Kiefernwäldern liegt oder mit Macchia bewachsen ist, offenbart der erste Blick vielleicht nicht die unglaubliche Wahrheit: Diese Landschaft wurde von Dutzenden Kilometern an Trockenmauern geformt. Jeder Stein, den Sie sehen, zeugt von der unglaublichen Beharrlichkeit der Arbeiter von Brela.
Der Kampf um jede Handvoll Erde
Auf der Suche nach fruchtbarer Roterde (Crljenica) in den Karstvertiefungen wurde die Erde buchstäblich mit den Händen gesammelt. Um steile Hänge in bebaubare Flächen zu verwandeln, wurden Pristave errichtet – Trockenmauer-Terrassen, die den Boden in eine waagerechte Position brachten und ihn vor Auswaschung durch Regen schützten.
Versuchen Sie es sich vorzustellen: Wenn für eine Mauer von etwa 12 m Länge und einer Höhe von 1,20 bis 1,50 m die tägliche Arbeit zweier erfahrener Arbeiter erforderlich war, wurden Millionen von Arbeitstagen und unermessliche Energie in diese „Steinbilder“ investiert.
Formen und Funktionen der Steinarchitektur
Die Landschaft von Brela ist von verschiedenen Trockenmauerformen durchzogen, von denen jede ihren Zweck hatte:
Steinhaufen (Gomile): Sie entstanden durch das mühsame Roden des kargen Landes. Der Arbeiter entfernte die Steine mit derselben Kraft, mit der er grub, und stapelte sie meist in kreisförmigen oder kegelförmigen Formen auf.
Längsmauern: Lange Trockenmauerlinien dienten als Schutz gegen den Wind auf exponiertem Gelände.
Grenzen (Međe): Trockenmauern markierten deutlich die Grundstücksgrenzen und schafften Ordnung in der zerklüfteten Karstlandschaft.
Wallburgen und Kulthaufen: Genau wie auf der benachbarten Insel Brač oder in der Region Poljica haben diese Denkmäler den Raum über Jahrhunderte hinweg verteidigt und markiert.
Das goldene Zeitalter der Weinberge
Die größte Blütezeit des Trockenmauerbaus fand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts statt. Nachdem Krankheiten (Echter Mehltau und Reblaus) die Weinberge in Italien und Frankreich vernichtet hatten, führte die Nachfrage nach dalmatinischem Wein zu einem unglaublichen Unterfangen: In Brela wurde damals selbst der kleinste und kargste Erdspalt (Škrip) gerodet, um Reben zu pflanzen.
Heute sind diese Trockenmauern ein Denkmal für eine vergangene Zeit, für die menschliche Kraft und die untrennbare Verbindung zwischen Mensch und Stein.
Kleines Glossar für Besucher:
Crljenica: Typische rote Erde, reich an Eisen und kostbar im Karst.
Škrip: Eine schmale Spalte oder Vertiefung im Gestein, in der sich ein wenig Erde angesammelt hat.
Težak: Ein Mann, der schwere körperliche Arbeit auf den Feldern verrichtet, ein Symbol für die dalmatinische Ausdauer.