Kultur

Die Kirche des Hl. Nikolaus auf dem Hügel Prirovac

Auf einer Anhöhe gelegen, die die gesamte Landschaft dominiert, ist die Kirche des Hl. Nikolaus aus dem 14. Jahrhundert weit mehr als nur ein Sakralbau – sie ist ein Schlüssel zum Verständnis der alten Geschichte von Brela. Dieses Denkmal von hohem Rang vereint gotische Architektur, geheimnisvolle Legenden und die Spuren versunkener Siedlungen.

Architektur und mystische Nekropole
Erbaut als einschiffiges Gebäude mit charakteristischen gotischen Gewölben und einer rechteckigen Apsis, wurde die Kirche im Jahr 1998 umfassend restauriert. Ihre friedliche Umgebung verbirgt eine mittelalterliche Nekropole mit 19 Grabplatten, die als stille Zeugen der Zeit diesem Hügel eine besondere Ruhe verleihen.

Auf den Spuren des antiken Berulia
Unterhalb der Kirche lassen sich Ruinen ehemaliger Häuser erahnen. Die meisten Historiker vermuten genau hier den Standort von Berulia, jener Siedlung, die bereits im 10. Jahrhundert vom byzantinischen Kaiser Konstantin Porphyrogennetos erwähnt wurde.

Legenden und Besonderheiten
Die „unendliche“ Schafherde: Im nahegelegenen Kopačine lebten die sogenannten Picokare (Nonnen des Dritten Ordens des Hl. Franziskus). Die Volksüberlieferung besagt, dass sie eine so große Schafherde besaßen, dass diese sich lückenlos von ihrer Unterkunft bis hinauf zu den Gipfeln des Biokovo-Gebirges erstreckte.

Der Türkenturm (Turska kula): Südöstlich der Kirche befindet sich eine faszinierende, zweistöckige Festung mit Schießscharten. Sie entstand Mitte des 17. Jahrhunderts während des Kandia-Krieges durch das Zumauern natürlicher Gebirgsfelsen und diente als sichere Zuflucht vor osmanischen Einfällen.

Der Zorn des Bischofs: Die Kirche wurde erstmals 1597 unter dramatischen Umständen erwähnt – als Bischof Nikola Ugrinović das Interdikt über Brela verhängte und damit vorübergehend alle Messen, Sakramente und Bestattungen im Ort untersagte.

Das Geheimnis des Weihedatums
Lange Zeit wurde die Weihe der Kirche dem Bischof Nikola Ugrinović zugeschrieben, doch Details im Inneren lassen eine andere Deutung zu.

Neben zwei Weihekreuzen an den Wänden ist der Tag der Einweihung vermerkt – der 26. Mai, das Jahr ist jedoch unbekannt. Da am 26. Mai das Fest des Hl. Philipp Neri gefeiert wird – dem Schutzpatron der Oratorianer, deren Kongregation vom Bischof von Makarska, Nikola Bijanković, gegründet wurde – spricht vieles dafür, dass er die Rekonsekration der Kirche in Gornja Brela vollzog. Dies geschah vermutlich im Rahmen einer umfassenden geistigen Erneuerung der Biokovo-Region, die ihm sehr am Herzen lag. Es ist jedoch auch möglich, dass die erneute Weihe von Bijankovićs Nachfolger (und Neffen) Stjepan Blašković durchgeführt wurde.

 

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