Natur
Nevistina Stina (Der Brautfels)
Die Erzählung unserer Ahnen: die versteinerte Hochzeit über Brela
Vor langer Zeit, wenn es Abend wurde, saßen unsere Vorfahren mit den Kindern zusammen, zeigten auf die Gipfel des Biokovo-Gebirges und erzählten die Geschichte von Nevistina Stina (dem Brautfelsen). Dies war nicht nur eine Geschichte über kalten Stein; es war eine Lehre über die Liebe, den Trotz und die furchtbare Macht eines Mutterfluchs.
Ein Weg ohne Rückkehr
Einst verliebte sich ein schönes Mädchen aus dem dalmatinischen Hinterland in einen jungen Mann von der Küste. In jenen harten Zeiten vermischten sich die Menschen aus den Bergen und jene vom Meer nur selten. Ihre Mutter, die ein hartes Herz und einen noch härteren Willen besaß, wollte von dieser Hochzeit nichts wissen. Man sagte, der Jüngling sei arm und der Weg zu seinem Heim fern und ungewiss.
Als die Tochter, von ihrem Herzen geleitet, dennoch entschied, ihrem Erwählten zu folgen, schleuderte die Mutter ihr statt eines Segens einen Fluch hinterher, der das Blut in den Adern gefrieren ließ:
„Sobald du das Meer erblickst, sollst du zu Stein werden!“
Stein, der eine Geschichte erzählt
Der Hochzeitszug, der nichts vom Zorn der Mutter wusste, zog fröhlich über den alten Gebirgspass. Lieder hallten durch die Berge, während sie zum Gipfel aufstiegen. Doch in dem Moment, als sie auf die Lichtung traten und das glitzernde Blau der Adria zu Füßen der Braut erschien, verstummte alles.
In einem einzigen Atemzug verwandelte sich die Freude in Stille und die warmen Körper in kalten Fels. Wenn man heute auf diesem Aussichtspunkt die Felsen genau betrachtet, kann man immer noch folgendes erkennen:
- Die Gestalten des Brautpaars zu Pferd, die für alle Ewigkeit auf das Meer blicken
- Hochzeitskuchen und Wasserschläuche, die über den Karst verstreut liegen
- Den Schleier der Braut, den der Wind in jenem schicksalhaften Moment von ihrem Kopf riss
Die verborgenen Hochzeitsgäste
Obwohl der dichte Kiefernwald im Laufe der Jahrzehnte die anderen Teilnehmer dieser versteinerten Hochzeit teilweise verdeckt hat, kann das aufmerksame Auge eines Beobachters noch immer die Umrisse der Gäste entdecken. Sie bleiben auf ewig zwischen zwei Welten gefangen – jener, aus der sie kamen, und jener, nach der sie sich sehnten.











