Natur
Die Höhle Medvidina
Entdecken Sie die Geschichte der Höhle Medvidina – ein verstecktes Juwel mit einem Strand, an dem einst die seltenste Robbe der Welt ruhte: die Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus). Für die Küstenbewohner war sie nicht nur ein Tier, sondern der mystische „Meeresmensch“ (morski čovik), der seit Jahrhunderten die Fantasie von Reiseschriftstellern und Dichtern beflügelt.
Legenden über den „Gourmet des Meeres“
Diese intelligenten Wesen waren schon immer Stoff für Legenden. Abt Alberto Fortis notierte in seinem berühmten Werk Reise in Dalmatien (1774) einen ungewöhnlichen Volksglauben:
„Die Küstenbewohner schreiben diesem Amphibium eine große Vorliebe für Weintrauben zu und behaupten ernsthaft, dass es zur Zeit der Reife nachts aus dem Wasser kommt, um die an den Reben hängenden Trauben zu pflücken.“
Neben ihrer Vorliebe für Weinberge erzählten Fischer, dass die Robbe sie gerne neckte, indem sie Fische in die Luft warf und sie geschickt mit den Zähnen wieder auffing – eine Szene, die bereits im 16. Jahrhundert vom Dichter Mavro Vetranović beschrieben wurde.
Die Medvidina in der kroatischen Literatur
Die Mönchsrobbe hat einen festen Platz in der kroatischen Literaturgeschichte und dient oft als Symbol für einen tiefen, festen Schlaf:
Marko Marulić, der Vater der kroatischen Literatur, schrieb 1501 in seinem Epos Judita, dass der assyrische Feldherr Holofernes „fester schlief als ein Meeresbär“ (die alte lokale Bezeichnung für die Robbe).
Abt Mavro Orbini berichtete Anfang des 17. Jahrhunderts, dass diese Tiere dressiert werden konnten, auf Namen hörten und durch Gesten zeigten, dass sie die menschliche Sprache verstanden.
Die Rückkehr einer Adria-Ikone
Obwohl man befürchtete, dass 1963 die letzte Mönchsrobbe der Adria getötet wurde, hat uns die Natur eine zweite Chance gegeben. Nach Jahrzehnten der Abwesenheit wurde der „Meeresmensch“ in den letzten Jahren wieder an mehreren Punkten der Adria gesichtet, was neue Hoffnung für den Schutz dieser faszinierenden Art weckt.
Historische Notiz: Ein im Herbst 1908 bei Makarska gefangenes Exemplar wurde dem Landesmuseum in Sarajevo übergeben.










